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Zum Ende der Seite springen Fahrwerk - Grundkurs - Part I
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munTer   Zeige munTer auf Karte munTer ist männlich
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Bike: Kawasaki ZX10R - 06

Fahrwerk - Grundkurs - Part I Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Federvorspannung stufenlos, Zug und Druckstufe siebenfach verstellbar, ........
Solche, oder so ähnliche Formulierungen begegnen uns Bikern doch immer wieder. Fast jeder Testbericht und jede Bedienungsanleitung moderner Bikes ist voll davon. Kaum ein aktuelles Motorrad, bei dem die Einstellungsmöglichkeiten am Fahrwerk nicht zahlreich sind. Die Hersteller haben es gut gemeint mit uns: Jeder Motorradfahrer soll sein Moped - im Rahmen des Sinnvollen natürlich - so abstimmen können, wie es ihm gefällt, wie er am besten damit zurecht kommt.
Doch sieht die Praxis nicht ganz anders aus:

Wißt Ihr ganz genau an welcher Schraube Ihr drehen müßt, um eine gewünschte Verbesserung zu erreichen?

Ist es nicht viel mehr so, daß sich die meisten überhaupt nicht ran trauen, an diese geheimnisvollen Schräubchen, die moderne Federbeine und Telegabeln zieren. Ich denke (und da spreche ich aus eigener Erfahrung) das kaum jemand im Detail weiß, was eine Drehung oben oder unten, nach rechts oder links bewirken würde, wenn man sich nicht mal wirklich damit auseinander setzt. Viele Motorradfahrer haben schlicht weg Angst, daß sich das einmal gewohnte Fahrverhalten so dramatisch ändert, daß sie mit ihrem eigenen Bike nicht mehr zurecht kommen. Nicht ganz zu Unrecht, denn durch einen falschen Dreh an der falschen Stelle kann man sich das Motorradleben schon unnötig schwer machen.

In den kommenden Rubriken findet Ihr ein paar Grundbegriffe in Sachen Fahrwerks-Einstellung: - Warum muß ich mein Fahrwerk eigentlich einstellen? - Wie gehe ich da korrekt vor? - Was tue ich, wenn meine Maschine die eine oder andere Fahrwerksschwäche hat?
Auf alle diese Fragen und das Drumherum gibt es nun kurze Antworten, damit das Motorradfahren in Zukunft noch schöner wird.
Mit der folgenden Navigation könnt ihr direkt zu einem Themenbreich, oder einer Seite vorspringen. Ich empfehle allerdings von Anfang bis Ende zu lesen.

Grundkurs

Warum muß man ein Motorradfahrwerk eigentlich einstellen, warum kann das nicht der Hersteller erledigen? Eine Einführung.
Ein paar grundsätzliche Dinge vorweg. Seit den dreziger Jahren ungefähr verfügen fast alle Motorräder über eine Federung vorn wie hinten. Was zu den Anfangszeiten des motorisierten Zweirads von vielen Skeptikern noch als “lebensgefährlicher Unsinn” bezeichnet wurde, erwies sich schnell - zunächst natürlich nur im Rennsport - als die bsete Methode, einem Motorrad ein anständiges Fahrverhalten beizubringen. Die nicht gefederten Motorräder hoben nämlich bei jedem Schlagloch - und davon gab es damals reichlich - mit den Rädern vom Boden ab, die Folge, dass man hier eher von Flug- als von Fahrverhalten reden musste. Von einer guten Straßenlage kann bei einem ungefederten Moped jedenfalls keine Rede sein. Ein Reifen, der nicht am Boden bleibt, liefert keine Haftung - so einfach ist das.
federn mussten also her - am Hinterrad geschah dies zunächst durch so genannte Geradweg-Federungen, doch schon bald übernahmen Hinterradschwingen, wie wir sie auch heute noch kennen, das Kommando. Vorn probierte man es zunächst mit Telegabeln, die aber wegen noch nicht ausgereifter Fertigungsmethoden nicht richtig funktionierten, vertrödelte ein paar Jahrezehnte mit Trapezgabeln, gezogenen und geschobenen Schwingen, bis dann BMW in den dreiziger Jahren die Telegabel endlich zum Funktionieren brachte.

Schon bald nach der Einführung der ersten gefederten Fahrwerke war auch klar, mit einer Federung alleine geht`s nicht. Denn eine Feder schwingt nach einer Anregung - einem Schlagloch zum Beispiel - bekanntlich fröhlich auf und ab, wenn sie nicht durch irgendeine Art von Dämpfung daran gehindert wird. Am Anfang dienten als Dämpfung einfache Reibscheiben, die mechanisch gegeneinander verspannt wurden und die Auf- und Abbewegung von Schwinge oder Gabel hemmten. man gelangte schließlich zu hydraulischen Dämpfungen, wie wir sie heute im Prinzip immer noch kennen. Bei dieser Technik wird Hydrauliköl innerhalb von Gabel oder Federbein während der Bewegung durch eine enge Bohrung gepresst, was bei dickflüssigem Oel einigermaßen schwer geht und so das Auf und Ab von Gabel oder Federbein dämpft.
Ein Motorrad hat also eine Federung und eine dazu passende Dämpfung - beide Systeme werden bei der Konstruktion des Motorrads auf dieses speziell abgestimmt und sollten theoretisch funktionieren - tun sie aber nicht immer, bei Licht betrachtet sogar eher selten. Warum ist das so?



Nun, im Vergleich zu einem Auto ist ein Motorrad zunächst mal relativ leicht, das Gewicht des Fahrers spielt beim Auto in Sachen Fahrverhalten keine spürbare Rolle, während der Unterschied zwischen einem kleinen, leichten Piloten und einem großen, schweren bei einem Motorrad durchaus zu spüren ist. Ganz erheblichen Einfluss auf das Fahrverhalten hat die Mitnahme eines Sozius und jede Art von Gepäck. Hält man sich mal die Tatsache vor Augen, dass viele Motorräder noch einmal ihr gesamtes Leergewicht an Zuladung mitschleppen dürfen, dann wird schnell klar, dass das Beladen beim Fahrverhalten eine “gewichtige” Rolle spielt. Der Hersteller muß also bei der Abstimmung einen Kompromiss eingehen - einen Mittelweg finden zwischen einer für schwere Fahrer zu weichen Abstimmung und einer für leichte Piloten zu harten.
Warum aber reagieren Motorräder so sensibel auf Beladung beziehungsweise auf nicht korrekt eingestellte Federelemente? Nun, bekanntlich wird das Fahrverhalten im Wesentlichen - insbesondere der Geradeauslauf und die Handlichkeit - von drei Faktoren bestimmt: Radstand, Leitwinkel und Nachlauf. Der Hersteller des Motorrads hat sein Fahrzeug natürlich für sicheres und gutes bei einem bestimmten Radstand, Nachlauf und Lenkwinkel optimiert. Weichen die tatsächlichen Maße im Fahrbetrieb vom Ideal ab, so ist in der Regel auch das Fahrverhalten nicht mehr optimal.
Beispiel:
Bei schwerer Beladung des Hecks passiert mit unseren drei Größen folgendes: Der Radstand wird länger, weil sie die ganze Fuhre ja praktisch nach hinten neigt, wodruch der Lenkwinkel flacher wird und das Vorderrad praktisch ein paar Zentimeter nach vorne wandert. Den in diesem Fall flacheren Lenkwinkel haben wir schon angesprochen, das hat zudem noch zur Folge, dass der Nachlauf länger wird. Auf das Fahrverhalten hat das folgende Auswirkungen: Längerer Nachlauf bedeutet in der Regel besserer Geradeauslauf und schlechteres Handling, flacherer Lenkwinkel und längerer Nachlauf gehen in die gleiche Richtung. Bei einer derartigen Beladung aber passiert noch etwas: der Schwerpunkt wandert nämlich nach oben und nach hinten, was gerade bei hohen Geschwindigkeiten das Vorderrad deutlich entlastet und somit zu dem berüchtigten Hochgeschwindigkeitpendeln führen kann. Diese Schwerpunktverlagerung kann man bei Mitnahme eines Passagiers oder einer Menge Gepäck nicht verhindern, die Auswirkungen durch korrekte Federungsabstimmung jedoch deutlich mildern. Dies ist nur ein Beispiel, warum eine individuelle Abstimmung des Fahrwerk wichtig und nötig ist.

Hier nun noch einige Bilder zum Darstellen der Zusammenhänge:



Motorrad in Normallage
Die drei Größen Radstand (1), Lenkwinkel (2) und Nachlauf (3) bestimmen entscheidend das Fahrverhalten eines Motorrads. Nur wenn sich das Fahrzeug auf dem vom Hersteller vorgesehenen Niveau befindet, entsprechen diese drei Größen dem vom Konstruteur vorgesehenen Optimum.



Zu viel Vorspannung hinten:
Das Motorrad steht hinten deutlich höher als es sollte (siehe Schatten), der Lenkwinkel (2) wird steiler, Nachlauf (3) und Radstand (1) kürzer. das führt zu einem sehr handlichen, aber eventuell auch instabilen und kippligen Fahrverhalten, der Geradeauslauf verschlechtert sich.



Zu wenig Vorspannung hinten:
Die Maschine steht mit dem Heck zu tief, der Radstand (1) verlängert sich, der Lenkwinkel (2) wird flacher, der Nachlauf (3) länger als vorgesehen. Die Maschine wird unhandlicher, lenkt nicht mehr so schnell ein, außerdem kann sich die Bodenfreiheit in Schräglage dramatisch verringern.
03.02.2010 16:40 munTer ist offline E-Mail an munTer senden Beiträge von munTer suchen Nehmen Sie munTer in Ihre Freundesliste auf Fügen Sie munTer in Ihre Kontaktliste ein
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